Vor einigen Wochen gab es ein Interview von mir mit den Nordbayrischen Nachrichten in Pegnitz und heute wurde der Artikel in der Tageszeitung veröffentlicht. Beim Klick auf das folgende Bild erscheint der eingescannte Artikel, darunter dann nochmal der Text.
Mit Spaß auf der Spur von Cirrus und Cumulus
Stefan Bauer ist Meteorologe: Er forschte zu Saharastaub und Wolkendunst über den Rocky Mountains
Seine Freunde fragen ihn oft: «Wann sehen wir Dich mal im Fernsehen?» Quasi als der freundliche Mann beim Wetterbericht, gleich hinter den Nachrichten. Denn Stefan Bauer, 29, hat Wetterkunde studiert. Aber der Meteorologe beruhigt. Er kennt nur einen aus seinem Studiengang, den es zum Fernsehen zog. «Die bleiben alle in der Wissenschaft.»
PEGNITZ – Er auch. Stefan Bauer schreibt gerade an der Uni von Mainz seine Doktorarbeit über den «Einfluss von Staub und Biomasse-Verbrennungsprodukten auf den Strahlungshaushalt der Atmosphäre». Danach will er in die Forschung.
Er ist seit seinem Pegnitzer Abitur durchs Studium schon weit herum gekommen. So war er für seine Diplomarbeit in Helsinki, ging danach 2006 für ein Vierteljahr nach USA, um den Feinstaub in den Rocky Mountains zu messen, und war drei Wochen auf Cap Verde. Hier konnte er in einem internationalen Team zu Fuß (am Boden) und mit dem Flugzeug (in der Luft) nachmessen, wie der Saharastaub und Rauchfahnen von afrikanischen Buschbränden aus fernen Ländern auf den Strahlungshaushalt der Atmosphäre wirken. «Das ist schon ein ordentlicher Einfluss, das ist unglaublich interessant. Es war wirklich sehr erfolgreich.»
Die Physik schreckt ab
Nach der Doktorarbeit will Stefan Bauer vielleicht noch einmal ins Ausland. Aber er warnt jeden Wetter- und Wolkenfreak, der von den wattig-weißen Himmelsformen begeistert ist, so locker ins Studium zu gehen: Es enthält so viel Physik, dass 70 Prozent der Studenten wieder aufhören. «Ich musste mich vor allem im Grundstudium durchbeißen, zwei Jahre lang, und hab’ es nur mit viel Fleiß geschafft.»
Stefan Bauer vermutet, dass sein Interesse für die Meteorologie erwachte, weil er als «kleiner Kerl» bei einem Aufenthalt in den Bergen ein Gewitter mit Hagel erlebte. Danach fand er ein Buch dazu und suchte sich später Leipzig als Studienort (nicht das mondäne München mit seinen überteuerten Wohnungen): «Damals war das absolut die richtige Entscheidung. Ich rate jedem, eine eventuell unterschwellige Angst vor dem Osten abzulegen, denn Leipzig ist schön: Die ganze Kultur, diese Kneipenvielfalt . . .»
Das «Institut für Meteorologie» dort bietet den größten Studiengang und hat inzwischen über 100 Studienanfänger pro Jahr, «mehr als Physiker».
Sie werfen sich auf die vier Wolkenfamilien (hohe, mittlere, tiefe und Wolken mit großer senkrechter Erstreckung, zum Beispiel Gewitterwolken) und auf die zehn Gattungen von Cirrus bis Cumulus. Sie bemühen sich um die 32 Unterarten und Sonderformen. Sie fotografieren in die Luft, sie klassifizieren und manchmal stellen sie mit einem Seufzer fest: «Wie sagt man so schön? Die Wolken halten sich nicht immer an diese Klassifikation!» Stefan Bauer empfiehlt dem Laien den «Internationalen Wolkenatlas» und seinen Freunden www.wolken-online.de, wo er eigene Bilder und Aufsätze veröffentlicht hat. Wer bei der Rubrik «Suche» seinen Namen eingibt, wird gleich zu Dunstschleiern über den Rockys geführt und zum Regenbogen über Mainz.
«Es gibt noch unglaublich viel zu lernen», lächelt der junge Mann, der in seiner Freizeit joggt oder zur Philosophie, Architektur und Kunst liest.
Aber dieses Lernen hält Stefan Bauer frei von Spekulationen wie jenen, dass die Supermächte inzwischen Wetterkatastrophen auslösen können, Hurrikane abschwächen, Sonnenschein für Moskaus Militärparade herzaubern oder die Olympischen Spiele trocken halten. Davon hält er wenig.
Doch Wetterkunde spielt eine Rolle in der Politik, vor allem in Kriegen, sagt Stefan Bauer. «Eine meteorologische Glanzleistung war zum Beispiel der D-Day in der Bretagne, die Landung der Alliierten im Zweiten Weltkrieg. Sie fanden vom Wetter her ein ideales Zeitfenster. Und das mit kleinen Mitteln, ohne Satellitenaufnahmen, nur vom Boden aus.»
Aber die Meteorologie spielt natürlich auch eine Rolle in «friedlichen Missionen», zum Beispiel für die Risiko-Abschätzung von Versicherungen, für Neubauten und ihre Wirkung auf das Stadtklima, für Verkehr und Luftfahrt, für die Landwirtschaft und ganz simpel jeden Menschen, der wissen will, ob sein Vereinsfest am Wochenende sonnig glückt oder nass versumpft. tk
(Quelle: http://www.nn-peg.de/artikel.asp?art=867601&kat=14)
